Fachbach/Bad Ems. 5 Uhr früh am vergangenen Freitag. Ganz Fachbach schläft. Ganz Fachbach? Rund 60 Wanderer, darunter 14 Grundschüler der vierten Klasse der Grundschule Fachbach machen sich quasi mitten in der Nacht zu Fu߸ auf den Weg vom Buswendeplatz an der Nieverner Brücke nach Bad Ems.

Die Wanderer sind zusammen mit Frank Girmann von der Arbeitsgemeinschaft Bahnen und Bergbau (AGBB) unterwegs, um am Festtag der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute, an die weit mehr als zweitausend Jahre währende Tradition des Emser Bergbaus zu erinnern. Die Idee hinter dem Barbaramarsch: der Fu߸weg, der Kumpel aus der Region zur Frühschicht in den Emser Erzbergwerken wird nachempfunden. Allerdings wartet auf die Wanderer heutzutage ein herzhaftes Frühstck im Gasthaus Kreuzmhle im Bad Emser Stadtteil Hütte anstelle der zwölfstündigen Schicht in oder an der Grube.
Als Fachbach zum Startpunkt des Barbaramarsches erklärt wurde, reifte schnell der Plan mit den neun- und zehnjährigen ein besonderes Heimatkundeprojekt mit Elternunterstützung anzubieten. Im Unterricht wurden die bergbauhistorischen Grundlagen gelegt, bevor die Grundschüler zur ungewohnt frühen Zeit in das Liveerlebnis starteten. Frank Girmann nannte bei seiner Begrü߸ung auch stellvertretend die Namen von drei Fachbachern, die in den Grubenbetrieben beschäftigt waren: Grubenelektriker Georg Reichert; Hans Krekel, in der Aufbereitung tätig und Verwaltungsangestellter Werner Müller. Mit Taschenlampen, Stirnlampen und in manchen Fällen auch originalgetreuen Karbidlampen ausgestattet, setzt sich die Truppe trotz kurzer Nacht frühlich in Bewegung und bereits rund 40 Minuten später war das Ziel Kreuzmühle erreicht, wo Wirt Josef Sauer auch auf die ungewöhnlich jungen Mitmarschierer bestens eingestellt war. Kannen mit dampfenden Kakao waren extra für die Minikumpel vorbereitet. Bei Rührei und Wurstbrötchen stärkten sich die Barbarmarschierer, das Bergmannslied Glück auf, der Steiger kommt erklang speziell für Adi Dommermuth aus Fachbach, der seit einigen Jahren mit dem Barbaramarsch seinen Geburtstag beginnt – in diesem Jahr den runden 70.

Während für die Hauptgruppe mit dem Frühstck das Ende der Veranstaltung erreicht war, ging es für die Viertklässler ins exklusiv geöffnete Bergbaumuseum auf der Emser Hütte. Nach einem kostmierten Streifzug durch zweitausend Jahre Bergbaugeschichte zeigten sich die Grundschüler begeistert von der umfangreichen Sammlung des Vereins, aber auch von der eigenen Sprache der Bergleute. So erfuhren die Viertklässler, dass der Bergmann niemals geht, sondern fährt, weshalb auch die Leiter in der Grube Fahrt heit߸, oder das die Luft zum Atmen in der Grube Wetter genannt wird und ähnliches. Höhepunkte waren neben der echten Bergmannstoilette, der Atzel vor allem die Emser Tännchen (ein weltbekanntes Mineral, das es nur in den Emser Gruben gab), das rollende Material des Gruben- und Feldbahnbestandes der AGBB aber auch ganz einfach beeindruckend schwere Erzbrocken oder Pressluftbohrhammer, die wenigstens einen Eindruck der harten körperlichen Arbeit vermitteln. Zum Abschluss entdeckten die Viertklässler sogar noch im Lokschuppen des Museums, dass der Nikolaus schon mal eine kleine Aufmerksamkeit für die flei߸igen Frühschichtler da gelassen hatte.