Was passiert mit den Pappeln am Fachbacher Campingplatz? Gutachten in luftiger Höhe soll Fakten schaffen

Fachbach. Ein Investor will den Fachbacher Campingplatz komplett sanieren (Blick Aktuell berichtete). Entstehen soll ein zeitgemäßer, europaweit vermarktbarer Top-Kategorie-Platz mit ansprechender Gastronomie im Beachclub-Stil. Ein siebenstelliger Betrag soll dafür in den nächsten drei Jahren investiert werden. Das im Wortsinn größte Hindernis für das Projekt sind allerdings 16 riesige Pappelhybriden. „Die Bäume sind inzwischen rund 40 Meter hoch und eine echte Gefahr. Als so genannte Pappelhybriden werfen sie ganze Äste ab um sich zu vermehren. Die Gefahr durch die Bäume geht deshalb nicht wie üblich vom Totholz aus, die Pappeln werfen gesunde, auch mal armdicke Äste ab“, so Ortsbürgermeister Dieter Görg – mitten über dem Servicegebäude eines Campingplatzes ein unhaltbarer Zustand. Da sollte man doch meinen, dass das eine einfache Sache ist. Große Bäume, durch Gutachter bestätigte Gefahr – da müsste man doch eigentlich schon eine Motorsäge hören können. Eigentlich…

Das Fällen der Bäume wurde jedoch bislang durch die zuständige Behörde verboten – Hauptargument: die Bäume seien „ortsbildprägend“ und eventuell, also nur vielleicht, auch Heimat für schützenswerte Lebewesen. Da die Pappeln aber ein klassischer „Dealbreaker“ sind – das bedeutet im Klartext: leben die Pappeln, stirbt der Campingplatz – hat der Fachbacher Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend „Nägel mit Köpfen“ gemacht. „Damit die Sache vorwärts gehen kann, müssen jetzt mehrere Dinge gleichzeitig passieren“, erläutern die beiden Planer Prof. Mathias Uhle und Erhard Wilhelm den Ratsmitgliedern. Zunächst gilt es einen rechtskräftigen Bebauungsplan auf den Weg zu bringen. Die dazu nötige Würdigung eventuell vorgebrachter Anregungen oder Bedenken von Bürgern und Behörden wurde jeweils einstimmig bekundet.

„Parallel musste aber eine Begutachtung der Pappeln in Auftrag gegeben werden. Eine Auflage der zuständigen Behörde vor jeder weiteren Entscheidung ist die Befahrung mit einem Hubsteiger. Dabei müssen die Bäume auf Wohnhöhlen und Nistplätze untersucht werden. Falls es solche gibt müssen diese auch noch auf ,Bewohner‘ überprüft werden“, erläutert Ortsbürgermeister Dieter Görg. Dazu hat der Gemeinderat am Dienstag einen Auftrag legitimiert, bereits an diesem Freitag werden Experten die Bäume in luftiger Höhe untersuchen. Doch selbst wenn dabei nichts gefunden wird, hat die letzte Stunde für die Pappeln noch nicht geschlagen. „Sowieso ist die Fällung von Bäumen nach dem 29. Februar nur noch mit einer Sondergenehmigung möglich“, erklärt Planer Erhard Wilhelm dem Rat, davor müsste aber erst die vierwöchige Offenlegung des Bebauungsplanentwurfs und eine weitere Begutachtung erfolgen – es könnte ja sein, dass sich zwischenzeitlich neue Bewohner eingenistet hätten. Noch nicht einmal für Ersteres hätte der Februar noch genügend Tage übrig, bleibt nur die Sondergenehmigung. Dafür muss allerdings wiederum ein „Ausgleich“ geschaffen werden: für die gefällten 16 Bäume fordert die Behörde, das rund 60 bis 80 Neue gepflanzt werden. „Allerdings nicht im Abflussbereich des Lahnhochwassers, da darf nichts den Hochwasserabfluss behindern“, so die Auflage einer weiteren beteiligten Behörde, erläutern die Planer. Doch auch dafür haben Planer, Ortsbürgermeister und Rat Ideen – und bringen sie einstimmig auf den Weg.
Die üblicherweise eher überschaubare Zuhörerschar bei der Ratssitzung konnte am Dienstag jedenfalls Zweierlei mit nach Hause nehmen: der Gemeinderat unterstützt den für Fachbach wichtigen Investor geschlossen – einfach ist der Weg zum Drei-Sterne-Campingplatz aber keineswegs.