Fachbach. Einer der (wenigen) Vorteile in Wahlkampfzeiten: auch auf dem Land bekommt man gelegentlich mal einen Bundespolitiker zu sehen. Aktuell besuchte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles die Fachbacher Vorzeige-Firma Noll Werkstätten, ein überregional tätiges Unternehmen für Planung und Fertigung von kreativer Innenarchitektur und hochwertigem Innenausbau – und zeigte  großes Interesse an den speziellen Herausforderungen für das mittelständische Unternehmen.

Geschäftsführer Jürgen Keiper begrüßte die Bundesarbeitsministerin, den rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz, den Bundestagsabgeordneten Detlev Pilger. Landrat Frank Puchtler und viele weitere Gäste und gab einen Einblick in die sechs Jahrzehnte währende Erfolgsgeschichte des überregional erfolgreichen Innenausbau-Spezialisten. Das Fachbacher Unternehmen ist spezialisiert auf den Ausbau von Banken und Sparkassen, Kanzleien und Arztpraxen. Es entstehen aber genauso individuell gefertigte Maßmöbel für den privaten Bereich, gerne fertigen die Noll Werkstätten aber auch zum Beispiel als Teil eines Gemeinschaftsprojektes Eignerdecks von Mega-Luxusyachten. Aber auch als Planer von kompletten (Um-)Bau-Maßnahmen haben sich die Fachbacher einen Namen gemacht, dabei beraten und entwerfen eigene Innenarchitekten und technische Mitarbeiter in allen Bereichen der Innenarchitektur und Ausbauplanung, insbesondere auch bzgl. Boden-, Decken- und Lichtgestaltung. Die Koordination mit anderen Gewerken wird dabei auf Wunsch auch von den Fachbacher Experten gesteuert. Die Noll Werkstätten beschäftigen aktuell 50 fest angestellte Mitarbeiter, 31 in der Produktion, 12 in der Planung und 7 in der kaufmännischen Abteilung. „Besonders stolz sind wir auf unsere Ausbildung. Ein wichtiger Baustein ist hier auch die außerbetriebliche Weiterbildung“, verrät Keiper.

Der 78-Jährige Koblenzer Manfred Metzger ist ein wichtiger Teil dieser Weiterbildungen. Der „Un-Ruheständler“ bringt mehr als 30 Jahre Berufserfahrung als Schreiner in den Noll Werkstätten, „viel Herzblut“ und eine Menge Praxiswissen, in die zusätzliche samstägliche Lehrlingsausbildung ein. Dabei lernen die Auszubildenden Handgriffe, die im heutigen Schreineralltag nur noch selten zu finden sind. Tobias Buchhold, 22 Jahre jung und Schreinerlehrling im zweiten Lehrjahr ist einer der Zöglinge, die dieses Praxiswissen begeistert aufsaugen. Jetzt erlebt der Filsener Schreiner-Azubi einen wirklich außergewöhnlichen Abschnitt seiner Lehrzeit. Teilweise freigestellt, aber größtenteils in seiner Freizeit restauriert Buchhold unter der fachlichen Anleitung von Meister Metzger einen Waggon der Bad Emser Malbergbahn und lernt dabei die wirklichen Kniffe und Tricks seines Handwerks kennen (vergleiche: Es geht aufwärts – Malbergbahn erwacht aus dem Dornröschenschlaf )

Derzeit haben die Fachbacher sechs Auszubildende. Und genau dieser Umstand führt Keiper beim Ministerbesuch zum ersten Problem, dass er der Bundesarbeitsministerin schildern kann. „Wir haben große Probleme, qualifizierte Bewerber zu bekommen“, erklärte Keiper, der auch die schlechte Qualität der Schulausbildung deutlich ansprach. Nahles nahm das interessiert auf, wies aber auch auf ein  Förderprogramm für assistierte Ausbildung hin, das den Unternehmen Begleiter für schwächere Auszubildende an die Seite stellt. „Damit ist den Firmen geholfen und den jungen Leute auch. Und das kostet zwar Geld, aber viel weniger als wenn wir die Jugendlichen aufgeben und ein Leben lang über Hartz-IV finanzieren“, spricht Nahles Klartext. Ein weiteres Problem, dass bei den Politikern ebenfalls auf offene Ohren stieß:  mit EU-Geld gestützte Billigkonkurrenz aus Osteuropa, die dann auch noch durch Dumpinglöhne für den deutschen Mittelstand unkalkulierbare Preise anbietet.

Auch eine Betriebsbesichtigung gehörte zum Besuch, anschließend gab es  – auch über den eng gesteckten Terminkalender hinaus – Zeit zu Gesprächen bei Kaffee und Kuchen in der Produktionshalle des Betriebes.