Insel Oberau: Kein Baustopp an der alten Schleuse

Fachbach. Ein beeindruckendes Bild bietet sich seit Wochen an der Insel Oberau bei Fachbach: der Schleusenkanal ist fast auf der gesamten Länge von rund 400 Metern trockengelegt. Doch seit zwei Wochen tut sich nichts mehr an der auffälligen Baustelle. Gerüchte machen in Fachbach die Runde: die Bauarbeiten an der alten Schleuse seien eingestellt – der Uferbereich sei durch Aufschüttung von Haldenmaterial zu instabil um die nötigen Fundamente zu verankern, angrenzende Häuser und die Brücke seien bei Fortsetzung der Bauarbeiten in Gefahr. „Nein, das stimmt so nicht“, erklärt Bernd Lambertus vom Wasser und Schifffahrtsamt. „Der Boden ist lockerer als erwartet, wir sind nicht wie erhofft schnell auf Felsen zum Gründen gestoßen. Nun wird es etwas aufwändiger, aber wir können weiterbauen. Zurzeit ist quasi nur Weihnachts- bzw. Neujahrspause.“ Die Arbeiten lägen im Zeitplan, so Lambertus.

Doch was genau wird da eigentlich gebaut und warum wurde der Damm mitten im Schleusengraben aufgeschüttet? Hier gibt es die Antworten.

„Eigentlich geht es um die Erneuerung, bzw. Instandsetzung des Hochwassersperrtores an der Brücke zur Insel Oberau“, erklärt der Leiter der WSA Außenstelle Diez, Bernd Lambertus. Dieses deutlich in die Jahre gekommene Tor ist Teil der alten Schleuse aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Obwohl Ender der 1960er Jahre die neue „Nieverner Schleuse“ (Bezeichnung aufgrund alter Gemarkungsgrenzen) am Ende des jetzt weitgehend trockenen Schleusenkanals auf Höhe des Wasserkraftwerks gebaut wurde, hat das alte Oberwassertor noch eine wichtige Aufgabe: es fungiert als Hochwassersperrtor und schützt so die Insel Oberau, die in Teilen niedriger liegt, vor Überschwemmung.

Aufnahme für „Stauwand“ wird neu gebaut – eigentliche Baumaßnahme am Hochwassersperrtor erst Ende 2021

Bei routinemäßigen Überprüfungen der Schleusenbauwerke, fielen auch Mängel am Hochwassersperrtor an der Insel Oberau auf, die nun behoben werden sollen. Doch das geht nicht so einfach, wie normalerweise üblich. Um am eigentlichen ehemaligen Schleusentor (jetzt eben Hochwassersperrtor) arbeiten zu können muss dies natürlich trockengelegt sein. Dazu gibt es einige Meter lahnaufwärts am Anfang des Bauwerks Aussparungen im Sandstein, die aus Stahlplatten bestehende Metallplatten aufnehmen können – wenn diese eingesetzt sind, wäre die Lahn gestaut. Das Problem: genau diese Aussparungen sind selbst brüchig und gleich aus mehreren Gründen nicht mehr zu sanieren. „Das Schleusenbauwerk ist aus Sandstein, der ist sehr weich. Das würde man heute schon aus statischen Gründen nicht mehr so machen“, erklärt Lambertus. Zum anderen habe aber auch der Denkmalschutz sein Veto eingelegt: die ursprüngliche Bauweise müsse erhalten bleiben. Da bleibt den Wasserbauern gar nichts anderes übrig: die Konstruktion für die Stahlplatten wird nun VOR der alten Schleusenkammer neu gebaut.

Die eigentlichen Arbeiten am Schleusen, bzw. Hochwassersperrtor folgen dann aber erst Ende 2021 – dann wird der Schleusengraben an der Insel schon wieder trockengelegt – dieses Mal dann ohne Damm. Bis Ostern soll Phase 1 des 500 000 Euro Projekts abgeschlossen sein, damit zum Saisonstart wieder ausreichend Wasser unter den Kielen der Schiffe auf der Lahn zu finden is