Kirmes ausgefallen – Fachbach spendet für gebeutelte Branche

In Krisenzeiten ein Zeichen setzen – Nachahmer erwünscht

„Volksfeste sind ein Ausdruck von Lebensfreude“, kommentierte einst Franz-Josef Strauß die Diskussion um „Lärm“ im Zusammenhang mit traditionellen Festplätzen. Durch die Corona-Krise ist es in diesem Frühjahr still geworden um deutsche Volksfeste. Sogar sehr still – existenzbedrohend still. Denn die, die sonst Lebensfreude in deutsche Dörfer, Gemeinden und Städte bringen, kämpfen jetzt um’s Überleben. Eine ganze Branche droht auszusterben – ganzen Schaustellerfamilien fehlt jede Einnahme und damit in nicht wenigen Fällen auch Geld für den täglichen Lebensunterhalt. Staatliche Hilfe greift in den meisten Fällen noch nicht, oder kann durch die Besonderheiten der Branche, die eben nicht in normalen Kreditmaßstäben zu berechnen ist, oft gar nicht gewährt werden.

Im kleinen Fachbach an der Lahn wäre am zweiten Maiwochenende die jährliche Kirmes angesagt gewesen. Wie überall im Land, ist auch sie abgesagt, ersatzlos gestrichen. Für die langjährigen Partner der traditionellen Veranstaltung nur eine von vielen schlechten Nachrichten im März 2020. Keine Kirmes findet statt, kein Konzert, kein Festival. Nichts. Auch in Fachbach fügte man sich der behördlichen Anordnung, akzeptiert den Sinn dahinter – doch für Dieter Görg, den Ortsbürgermeister der 1200-Seelen-Gemeinde in der Verbandsgemeinde Bad Ems, ist mit der Absage die Kirmes noch nicht vergessen.

„Ihr wart immer für uns da – jetzt sind wir halt mal für euch da“, bringt Görg auf dem Betriebsgelände von Schausteller Mike Klinge in Koblenz das Ergebnis einer deutschlandweit – bis jetzt! – wohl einmaligen Aktion auf den Punkt. Görg hatte die Vereine des Ortsrings, die normalerweise die Kirmes in Fachbach organisieren und auch von den Erlösen profitieren, dazu aufgerufen, jeweils einen „Hunni“ für die Verluste der Schausteller durch den Ausfall der traditionellen Veranstaltung zu spenden. „Wir wissen, dass wir damit nicht die Welt retten. Wir können damit auch nicht ansatzweise die Verdienstausfälle der Schausteller ausgleichen oder drohende Insolvenzen abwenden – aber wir können ein Zeichen setzen“, erklärt Görg.

2150 Euro umfasst das Zeichen, zu dem 10 Vereine und Gruppierungen im Ort, vier Betriebe und sogar zwei Familien mit Beträgen von 50 bis 200 Euro beigetragen haben. Aufgestockt wurde die Summe um 500 Euro von der Gemeinde. Da dies aus haushaltsrechtlichen Gründen nicht direkt aus Gemeindemitteln möglich war, hat Landrat Frank Puchtler diese Zuwendung über Umwege ermöglicht. Einen Teil der Summe (400 Euro gehen an weitere Partner der Kirmes) konnte Görg heute unter möglichst viel Abstand an Mike Klinge übergeben, der als Generalunternehmer die Fachbacher Kirmes beschickt und dabei alle beteiligten Schaustellerfamilien koordiniert. Der zeigte sich sichtlich und ungewohnt gerührt. Die Stimme stockt schon gelegentlich, während er versucht den Dank der beteiligten Familien in Worte zu fassen. „Das zeigt so viel Menschlichkeit. Eure kleine Gemeinde beweist damit so viel Verständnis für einen ganzen Berufsstand. Das rührt ehrlich gesagt zu Tränen“, kommentiert der Schausteller, der in „normalen Zeiten“ eher weniger emotional erscheint. „Es gibt ja auch noch mehr Menschen, die Herz haben, die wissen es nur vielleicht noch nicht. Hier wird es eindrucksvoll vorgelebt wie man es finden kann. Danke Fachbach“, findet Mike Klinge eindrucksvolle Worte.

Genau darum geht es auch Dieter Görg und den Fachbachern. „Wenn aber andere Gemeinden oder Veranstalter, deren Kirmes ebenfalls wegen der Coronavirus-Pandemie ausfallen musste, unserem Beispiel folgen und sich mit ihren Schaustellern solidarisch zeigen, können wir vielleicht doch das eine oder andere Lächeln in die Gesichter der Menschen zaubern, die  sonst immer mit ihrem Engagement für Fröhlichkeit, Unterhaltung und strahlende Kinderaugen in den Orten gesorgt haben“, appelliert der Orts-Chef an möglichst viele Nachahmer.

Gespendet haben:

  • der Förderverein der Grundschule
  • der SPD Ortsverein
  • der CDU Ortsverein
  • der SV Fachbach,
  • der Radclub Fachbach,
  • der Fischereiverein
  • der Tischtennisverein
  • die Kirmesjugend
  • der Förderverein der Feuerwehr
  • der Fachbacher Carnevalsverein
  • die Firma „Der Bettenprofi Peter Zahlten“
  • die Firma „Elektro Bötzel“
  • die Firma „Baudekoration Lorch“ sogar mit doppeltem Einsatz 200 Euro
  • die Firma „Virtual Basement“ Marc Schlichting
  • das Ehepaar Dr. Meinke 100 €
  • das Ehepaar Wörsdorfer 50 €

Vielen Dank!